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Das Ruhrtalmuseum

Kultur- und Weiterbildungsbetrieb

- KuWeBe -

Brückstraße 14

58239 Schwerte

Tel. 02304-104822

 

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Di. bis So. 11 bis 17 Uhr

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Das 20. Jahrhundert

1900

  • Die höhere Stadtschule wird als Progymnasium anerkannt.

1901

  • Eine neue evangelische Volksschule in der Weißenburger Straße (heute Röntgenstraße) wird eingeweiht.
  • Bürgermeister Rohrmann übergibt den ...mit praktischem Sinn und künstlerischem Geschmack... umgebauten Freischütz seiner Bestimmung.

1902

  • Die Höhere Töchterschule zieht in das Gebäude der ehemaligen höheren Stadtschule an der Ostenstraße ein.
  • Das Progymnasium (ehemals höhere Stadtschule) zieht in das Gebäude des heutigen Friedrich-Bährens-Gymnasium um.
  • Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf der Hohensyburg wird eingeweiht.
  • Die Straßenbahnlinie Schwerte (Marktplatz) über Rettelmühle nach Westhofen (Hotel Wittekind) wird am 27. März eröffnet.

1903

  • Die Straßenbahnlinie zwischen Schwerte und Westhofen nimmt ihren Betrieb auf.
  • Am 19.September nimmt die Bergbahn zur Hohensyburg ihren Betrieb auf, die auf einen halben Kilometer 93m Höhenunterschied überwindet und zu den touristischen Attraktionen zählt.
  • In einem baupolizeilichen Bericht über eine Wohnung in der Mährstraße heißt es "..Die Zimmer sind dunkel, klein und niedrig und eignen sich daher nicht zum Aufenthalt von Menschen.."
  • Der aus Magdeburg stammende Paul Feldhügel (1867-1928) kommt als Oberlehrer an das Schwerter Progymnasium.
  • Die Stadt Schwerte errichtet eine Stadtbücherei und stellt einige hundert Mark für die ersten Anschaffungen zur Verfügung.
  • "Der Lehrer der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr L. Katz, verlässt in diesen Tagen unsere Stadt, um in gleicher Eigenschaft nach Kleve überzusiedeln. Das Scheiden des Herrn Katz, der in den Kreisen der hiesigen jüdischen Gemeinde sich allgemeiner Achtung und Sympathie erfreute, dürfte in den beteiligten Kreisen wohl allgemein bedauert werden, zmal er sieben Jahre hier gewirkt hat." Schwerter Zeitung 25.4.1903

1904

  • Dr. Theodor Fleitmann stibt.
  • Die Schwerter Nickelwerke erweitert ihren Betrieb und baut eine Besteckfabrik.
  • Das von den Architekten Fischer und Balser entworfene Amtshaus in Westhofen wird eingeweiht.
  • Die katholische Gemeinde weiht den Neubau der St. Marien-Kirche auf dem Grundstück neben dem katholischen Krankenhaus ein.

1905

  • Eine neue evangelische Volksschule in der Sedanstraße (heute Eintrachtstraße) wird eingeweiht.
  • In Ergste wird das neue Amtshaus eingeweiht.

1906

  • Die Volksbibliothek, die Paul Feldhügel nach Dortmunder Vorbild im Alten Rathaus einrichtet, wird eröffnet.

1908

  • Das neue Postgebäude wird als Postamt I Klasse zwischen Senningsweg und Hörderstraße eröffnet.

1909

  • Am 4. u. 5. Februar Hochwasser in Schwerte, eine Flutbrücke aus Beton wird fortgerissen.
  • Am 10.August kommen Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Victoria in die Grafschaft Mark. Anläßlich der Dreihundertfeier der "Vereinigung mit Brandenburg-Preußen" nimmt auf der Hohensyburg das kaiserliche Ehepaar die Huldigung der Einwohner entgegen. Anschließend auf dem Weg nach Kassel hält sich das Paar eine knappe halbe Stunde in Schwerte auf.

1910

  • Ergste erhält einen Eisenbahnanschluß.
  • Die Eisenbahnerwohnungsgenossenschaft wird gegründet.

1911

  • Ein 120seitiger Katalog der Volksbibliothek erscheint, der rund 2.500 Bände nachwies. Zwischen 1906 und 1911 vermerkte Feldhügel 37.609 Ausleihen.

1912

  • Mit einem geschätzten Vermögen von 17 bis 18 Millionen Mark steht Theodor Fleitmann in der Rangliste der reichsten Einwohner Preußens weit oben, zusammen mit Arnold von Siemens, Graf Henckel von Donnersmarck, dem Bankier Metzler und der Witwe Haniel.
  • Der Verschiebebahnhof in Geisecke wird gebaut. Die dörfliche Streusiedlung erhält mit einem Bahnhofsneubau und einer Eisenbahnersiedlung ein bisher fehlendes Zentrum.
  • Der Eisenbahntunnel durch den Schwerter Wald wird fertiggestellt.
  • Der Architektenwettbewerb zum Neubau des Schwerter Rathauses wird im Oktober eröffnet. Das Preisgericht entscheidet sich für den Entwurf des 27jährigen Carl Hermann Josef Schmitz aus Mönchengladbach.
  • Wilhelm Westhelle verlegt seine "Patent-Spinnerei" von Westig nach Schwerte. Er betreibt sie zunächst im Saal der "Burg Helle" und ab 1917 in der ehemaligen Schützenhalle an der Schützenstraße.

1913

  • Die bestehenden Eisenbahn-Ausbesserungswerke in Langenberg und Opladen reichen nicht aus. Im Juli 1913 bietet der Schwerter Magistrat unter Bürgermeister Rohrmann der Eisenbahnverwaltung 10 Morgen Grundstücke kostenlos an.

1914

  • Im März 1914 erhält Schwerte vor anderen Konkurrenten (Menden, Iserlohn, Holzwickede) den Zuschlag für den Bau des Ausbesserungswerkes. Den Ausschlag für Schwerte gibt die günstige Lage in der Nähe des Ruhrgebietes und mit Direktanschluß an zwei Bahnlinien.
  • Nach 15 Monaten Bauzeit ist der Bau des Neuen Rathauses von Carl Schmitz im Oktober fertiggestellt. Er zeichnet sich auch für die innere Gestaltung verantwortlich. Lediglich die Figuren am "..monumental-würdevollen.." Portal hat der Kölner Bildhauer Prof. Grasegger geschaffen.
  • Seit der letzten Juliwoche 1914 bewachten Kommandos, später unterstützt vom Schwerter Kriegerverein, die Ostberger Tunneleingänge und die Wasserversorgung in den Ruhrwiesen.
  • Schon in der ersten Kriegswoche sind zwei Gefallene aus Schwerte zu beklagen. Am 5. bzw. 6. August trifft es den Studenten Friedrich Griese vor Lüttich und den Drahtwalzer Friedrich Keirat in den Vogesen.
  • Ein größerer Krankentransport bringt am 24. September Verwundete von den nordfranzösischen Schlachtfeldern bei Laon und Noyon nach Schwerte. Obwohl von Liebesgaben aus der Bevölkerung versorgt, stirben nicht wenige Verwundete am Wundstarrkrampf.
  • Der Schwerter Magistrat, der zuerst noch zögerte, Höchstpreise festzusetzen, friert am 7. September 1914 die Preise für die wichtigsten Lebensmittel ein.

1915

  • Als Opfer des Krieges kommt, fernab von Europa, der gebürtige Schwerter Fritz Pferdekämper im Januar ums Leben. Der bedeutende Sinologe begleitete eine Expedition, die von Peking aus die Mandschurische Eisenbahn sprengen sollte, um den Nachschub von Japan und Amerika nach Rußland zu unterbrechen. Ein Mongolenfürst ließ Pferdekämper und seine Expedition füsilieren.
  • In 250 Kriegsgärten rund um die Schwerter Altstadt wurden Erbsen, Bohnen, Kohl und Kartoffeln angepflanzt.

1916

  • Das Hungerjahr. Im September meldet Bäcker Voß den Diebstahl von 3.000 Brotmarken. Die Zeit von November 1916 bis April 1917 geht als Steckrübenwinter in die Geschichte ein. Steckrüben ersetzen Brot und Kartoffeln.
  • Die "Eisenindustrie" in Schwerte beliefert mit ihren Halbzeugen Heeresproduzenten und baut Achsen für Militärfahrzeuge, die Nickelwerke produzieren Stahlhelme, Kochgeschirr, Teile von Granaten und Torpedorohren sowie Infanteriemunition.

1917

  • Die Kirchen opfern ihre Glocken für den Krieg. Bei St. Viktor benötigt Bauunternehmer Scherff vier Tage, um über ein Gerüst drei Glocken auf den Marktplatz zu bringen.
  • Im Frühjahr macht sich Unmut unter den Arbeitern breit. Sie beklagen in ihren Eingaben, daß es pro Kopf und Woche keine 250 gr Fleisch mehr gebe und überhaupt die Lebensmittel ungerecht verteilt würden.

1918

  • Am Ende des Krieges sind unter den 10 Millionen Toten 353 Gefallene aus Schwerte, 63 aus Ergste und 64 aus Westhofen, darunter auch der Träger des ersten Eisernen Kreuzes, Leutnant Max Edler von Daniels. Der Sohn des früheren Westhofener Amtmanns, der Ende August 1914 ausgezeichnet worden war, meldete sich später zu den Fliegern und überlebte im Juli 1918 einen Luftkampf nicht.
  • Im Spätsommer 1918 bricht große Unruhe auf allen Schwerter Werken aus. Die Arbeiter verlangen am 8. September bei den Nickelwerken eine Kürzung der 64-Stunden-Woche um acht Stunden ohne Lohneinbußen.
  • Nach dem Ende des Krieges am Abend des 9. November bildet sich im "Reiche des Wassers", unter Leitung der SPD, ein Arbeiter- und Soldatenrat (ASR).
  • Unter Leitung von Eisenindustrie-Direktor Waltenberg organisiert der Schwerter Bürgerausschuß die Einquartierung der aus dem Krieg zurückkehrenden Truppen. Mehr als 7000 Soldaten und 3.600 Pferde mußten untergebracht werden.
  • Nach kriegsbedingter Verzögerung beginnt der Bau des Eisenbahn-Ausbesserungswerks.

1919

  • Am 4. Juli kommt es in Schwerte zum Sturm auf Geschäfte, an denen sich Arbeiter und ein Teil der Schuljugend beteiligen. Zwangsverkäufe und Plünderungen werden Julius Henschel zur Last gelegt, der eine Pistole besitz und deswegen Anfang September verhaftet wird. Weil ihm keine Schuld nachzuweisen ist, kommt er wieder frei.

1920

  • Im Februar 1920 treffen sich die Stadtverordneten von Schwerte und Westhofen, um über die Eingemeindung von Westhofen zu beraten. Diese Pläne bleiben jedoch vorerst unverwirklicht.
  • Das Reichswehr-Korps Lichtschlag, tätig im Auftrag der Reichsregierung, sollte von Dortmund ins Sauerland abziehen. Ihm kommen jedoch von Hagen aus in Richtung Schwerte Tausende von Arbeitern entgegen. Unterhändler in Schwerte weigern am 16. März den Durchmarsch des Korps durch die Stadt. Deshalb zieht das Korps über Geisecke ab, wird aber am Abend am Schwerter Wald von Arbeitereinheiten aufgehalten. Beim folgenden Gefecht fällt als einer der ersten Gustav Rose aus der Fleitmannstraße. Rose war Mitglied der USPD, der Gewerkschaft der Metallarbeiter und der Proletarischen Freidenker und wird von Tausenden zu Grabe getragen.
  • Am 3. April, dem Ostersamstag, besetzt die Arbeiterwehr das Rathaus und die Sparkasse und beschlagnahmen die Stadtkasse.

1922

  • Die Franzosen besetzen das Ruhrgebiet. Sie kommen dabei bis auf 500 Meter an die Baustellen im Ausbesserungswerk Schwerte-Ost heran. Alles wertvolle Material wird von dort nach Langschede evakuiert. Die Wittbräucke und der Haarstrang bilden die Grenze zwischen dem besetzten und unbesetzten Gebiet. In Richtung Westen überwachen Franzosen die Eisenbahnverbindungen, in Hengstey errichten sie einen Kontrollpunkt.

1923

  • Am 26. Juni fallen auf der Hohensyburg sechs Schüsse, die zwei französische Soldaten verletzen. Noch am selben Tage weht die Trikolore über der Hohensyburg, am 3. Juli auch über Westhofen. Um drei Uhr nachts besetzen französische Truppen den Westhofener Bahnhof, die Stadt sowie Holzen westlich der Kreisstraße. Sie setzen fast die ganze Amtsversammlung als Geiseln gefangen.
  • An der "Grenze" zwischen Holzen-Rosen und Schwerte erschießen französische Soldaten den 14jährigen Kaufmannslehrling Arthur Hübener aus der Theodorstraße.
  • Die Mark verfällt. Die Arbeiter weigeren sich, Papiergeld als Entlohnung anzunehmen. Die Eisenindustrie, die Nickelwerke und andere Betriebe drucken vorübergehend ihr eigenes Notgeld.
  • Am Südrand des Schwerter Waldes entsteht eine neue Kohlenzeche, in der man im November 1923 in vier Metern Tiefe mit einfachsten Mitteln die als Heizmittel und als Tauschobjekt gleichermaßen kostbare Steinkohle abbaute.

1924

  • Der steckbrieflich wegen antifranzösischer Propaganda gesuchte Schriftsteller Fritz Ewald wohnt bis Oktober 1924 bei seinem Bruder in der Schwerter Bismarckstraße 12.
  • Pfarrer Wischnath, der in der Kötterbachstraße wohnt, schildert wie infolge des unzureichenden Kanalsystems die unteren Altstadtteile immer wieder unter ...stinkenden, zähen Schlammassen... litten. Er sehe im Abwassersystem die Quelle der Typhuserkrankungen seiner und anderer Familien.
  • Am Karfreitag gastiert beim Schlagerspiel des Jahrzehnts der amtierende Deutsche Meister 1. FC Nürnberg beim SSV Schwerte 06. Auf dem Sportplatz "hinter der Töchterschule" trennt man sich unentschieden 1:1.

1925/26

  • Ein preußisches Gesetz schafft die Voraussetzungen für eine umfassende Neuordnung im rheinisch-westfälischen Industriegebiet.

1925

  • Im Jahr der Volkszählung von 1925 sind in Schwerte annähernd 17.000 Einwohnern ansässig. In Westhofen wohnen 2398 Menschen. Unter den Landgemeinden haben Holzen 2808 und Geisecke 720 Einwohner.

1926

  • Es kursieren Pläne darüber, welche Teile vom Kreis Hörde - neben der widerstrebenden Stadt Hörde - von Groß-Dortmund übernommen werden sollen.
  • Durch Zusammenschluß des Oratorienchors und des Konzertvereins entsteht die Konzertgesellschaft Schwerte.

1927

  • Schwerte präsentiert sich in einer Werbewoche vom 2. bis 9. Oktober auswärtigen Besuchern als eine leistungsfähige Mittelstadt. Die Gewerbeschau, die kunsthistorische Ausstellung (mit Gemälden von Carl Haver, Otto Honsalek und Walter Schöttler) und der Handwerkerumzug wecken auch den historischen Sinn des Schwerter Bürgertums.
  • Josef Spiegel entdeckt eine Steinzeitsiedlung im Gänsewinkel und macht weitere Funde im Ruhrtal.

1928

  • Am 28. August 1928 präsentiert der Siedlungsverband Ruhr eine überraschende Variante einer kommunalen Neuordnung, die den Schwertern und mehr noch dem Landrat des Kreises Hörde, Hansmann, gefällt. Schwerte ist als Sitz eines neuzubildenden Kreises Ruhr-Ost vorgesehen, der aus den Resten des Kreises Hörde und dem Kreis Iserlohn entstehen solle. Iserlohn lehnte dies ab. Hieraus erwachsen in Schwerte Animositäten gegen Iserlohn, die im Dezember 1928 ausbrechen, als der preußische Innenminister seine Vorschläge zur kommunalen Neuordnung veröffentlicht. Schwerte solle, ebenso wie das Amt Westhofen, dem Landkreis Iserlohn zufallen. Das "mutet wie ein Karnevalsscherz an", kommentiert die Schwerter Zeitung und hielt diesen Plan schon wegen der schlechten Verkehrsanbindung zur künftigen Kreisstadt für "unmöglich".
  • Die Gemeinnütziger Bauverein Ergste e.G. wird gegründet.

1929

  • Durch die Kommunale Neuordnung wird aus dem seit 1815 bestehenden Amt Westhofen das seit 775 mit dem Reichshof Westhofen vereinigte Syburg (einschließlich der Hohensyburg) herausgenommen und der Stadt Dortmund zugeschlagen.
  • Um die Stimmen der Sportler buhlen bei den Kommunalwahlen mehrere bürgerliche Parteien, weil die Wettkampfstätten ein Hauptthema des Wahlkampfes sind. In Westhofen gewinnt eine eigene "Turn- und Sportliste" sogar zwei Mandate.
  • Aus der Kommunalwahl im November 1929 geht die SPD gestärkt hervor. Sie stellt mit ihrem Vorsitzenden Karl Gerharts den Vorsteher der Stadtverordneten, ohne jedoch mit nur sieben Sitzen eine Mehrheit zu haben.
  • Die Stillegung der Westhofener Wittekindwerke und der Westfälischen Fahrradkettenfabrik sowie die Entlassungen von 200 Arbeiterinnen aus Schwerte bei der Iserlohner Nadelfabrik Dossmann belasten den Arbeitsmarkt.

1930

  • Gegen besseres Wissen bleibt dem Magistrat in Schwerte nichts anderes übrig, als zum Ausgleich des Haushaltsdefizits 1930, vor allem mit den Stimmen von SPD und Zentrum, Bürger- und Biersteuern einzuführen.
  • Am Vorabend der Wahl prallen im überfüllten "Reiche des Wassers" bei einer Kundgebung der NSDAP Nationalsozialisten und Kommunisten aufeinander. Während der Saalschlacht wird ein Kommunist erstochen, mehrere Dutzend Personen schwer verletzt. Die Gerichtsverhandlung ergibt später, daß die anwesenden Kommunisten durch den Redner der NSDAP provoziert worden waren und später bewaffnete SA den Saal gestürmt und "wie wild auf die Zuhörer" losgeschlagen hatte.

1931

  • Im Februar entsteht als Ortsgruppe des Kreisheimatbundes Iserlohn der Heimatverein Schwerte, der im Juli 1931 beschließt, ein Heimatmuseum im Alten Rathaus zu gründen.
  • Im Juli 1931 liefern sich die Kommunisten mit der Polizei auf dem Marktplatz eine erbitterte Straßenschlacht, als eine verbotene Demonstration von 600 Menschen aufgelöst werden soll. Der junge Arbeiter Weinhold stirbt durch Kopfschuß.

1932

  • Am 29. März wird der SA-Truppführer August Haßler von zwei Kommunisten schwer mißhandelt. Er stirbt mehr als ein Jahr später und wird von der Schwerter NSDAP zu ihrem Märtyrer erhoben. Seine Biographie taugt für eine vorbildhafte Karriere als alter Kämpfer: angeblich jüngster Kriegsteilnehmer mit 15 Jahren 1914, Freischärler und Kämpfer gegen Spartakisten und Polen in Oberschlesien, Anhänger Hitlers seit 1923. Bis 1945 trägt die Hagener Straße seinen Namen.
  • In Schwerte läßt sich 1932 ein Büro zur Vorbereitung des Autobahnbaus nieder, ehe sich die Nationalsozialisten mit großer Propaganda der neuen Straßen annehmen. Schwerte und das Amt Westhofen sollen an der Linie Köln-Wuppertal-Hagen-Münster-Hamburg liegen. Gegen den Verlauf der Trasse auf Schwerter Stadtgebiet regt sich im Herbst Widerspruch aus der Kreisstadt Iserlohn, die eine südlich gelegene Variante quer durch das Amt Ergste favorisiert.
  • Die Schwerter Zeitung meldet in ihrer Ausgabe vom 21. November "Erdbeben in Schwerte, Bald nach Mitternacht, gegen 12,30 Uhr, machte sich in Schwerte ein Erdbeben bemerkbar. Der Erdstoß war so stark, daß sich die Häuser bewegten. Die Betten machten eine Schaukelbewegung. Mehrere Personen standen auf und zündeten das Licht an. Auch in Holzen wurde das Erdbeben verspürt"

1933

  • In Schwerte gibt es am 30. Januar (Tag der Machtergreifung) keine Fackelzüge und Aufmärsche wie in Berlin.
  • Am 5. Februar kommen im Hotel Reichshof NSDAP, DNVP, Stahlhelm und der Bund der Frontsoldaten zusammen, um den Zusammenschluß der nationalen Front in Schwerte zu besiegeln.
  • Die beispiellose Wahlwerbung der Regierungsparteien beginnt am 12. Februar im Freischütz, über dem erstmals das Hakenkreuz weht, mit einem "Deutschen Abend" der NSDAP.
  • Eine Woche später ziehen Paramilitärische Einheiten von SA, SS und Stahlhelm aus der ganzen Umgebung unter Polizeischutz durch die Stadt.
  • Drei Tage später demonstriert die Eiserne Front unter Polizeischutz mit nur 560 Mann in Schwerte. Mit dabei sind Karl Gerharts und Albert Wengenroth als prominenteste Politiker der SPD. Die begleitende Polizei greift ein, um Demonstranten und SA auseinanderzuhalten und um Kritik an Hitler zu unterdrücken.
  • Am 29. Februar, ein Tag nach dem Reichstagsbrand nimmt eine Hilfspolizei aus SA und Stahlhelm 13 führende Schwerter Funktionäre in "Schutzhaft" und läuf Patrouille durch die Stadt. Die KPD-Führung aus dem Amt Westhofen wird am 1. März in das Hagener Gefängnis eingeliefert.
  • Kaum eine Woche zwischen März und September vergeht, in der in Schwerte nicht Razzien in den Straßenzügen stattfinden, in denen die Anhänger der KPD und der SPD wohnen.
  • Treibende Kraft bei der Einrichtung eines Museums im Laufe des Jahres ist der arbeitslose Josef Spiegel. Bürgermeister Dr. Guttmann hilft ihm, im Alten Rathaus drei Räume als Ruhrtalmuseum einzurichten. Die Eröffnung des Museums am 15. Oktober zur Werbewoche des Handwerks machen sich dann schon die Nationalsozialisten zu Nutze: "Der Heimatbewegung kommt im Dritte Reiche eine besondere Bedeutung".

1934

  • Beim Bau des " Kameradschaftshauses" der Vereinigten Stahlwerke in Ergste wird eine römische Siegesgöttin, "Victoria" gefunden.

1935

  • Die Hagener Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Schwerter Vikar Heinemann, dessen Predigten die Gestapo mitstenographiert und der wegen angeblicher Beleidigung der Hitler-Jugend verhaftet wird. Heinemann entlasten Stenogramme von Mitgliedern der katholischen Jugend, die nachweisen, daß die Gestapo Mitschriften gefälscht hatte.

1936

  • Die Nickelwerke gründet zur Produktion von Patronen die Metallwerk Wandhofen GmbH als hundertprozentige Tochter. Im neuen Werk kommen viele Frauen zum Einsatz - entgegen der Ideologie der NSDAP.

1937

  • Am 25. November solle ein Bekenntnisgottesdienst angesetzt werden, den die Gestapo verbietet. Die drei Pfarrer und zwei Helfer werden verhaftet. Am Abend des 25. November versammelen sich mehr als 2000 Menschen vor den verschlossenen Toren von St. Viktor und verlangen Einlaß. Die gesamte Schwerter Polizei muß aufgeboten werden, um die Menschen zum Verlassen des Marktplatzes zu bewegen. Die Inhaftierten kommen nach zwei Wochen frei; der Konflikt der Mehrheit der Schwerter Kirchengemeinde mit den Deutschen Christen und der Bekennenden Kirche bleibt bis in den Zweiten Weltkrieg hinein bestehen, weil die Mehrheit der Kirchengemeinde und ihre drei Pfarrer alle Zumutungen des deutsch-christlichen Konsistoriums in Münster ablehnen.

1938

  • Im Oktober werden 18.000 Juden polnischer Staatsangehörigkeit über die polnische Grenze abgeschoben, darunter die Familie des Seifenhändlers Galonska in der Hüsingstraße.
  • Vom 9. zum 10. November während der sog. "Reichskristallnacht" werden überall in Deutschland Synagogen angezündet oder beschädigt. Auch in Schwerte setzen angeblich "spontane Demonstrationen" gegen die Juden ein. Die Fensterscheiben, Läden und Wohnungen der Juden werden demoliert. Die Synagoge erleidet starke Beschädigungen.
  • Das letzte Schwerter Geschäft mit jüdischem Inhaber schließt Weihnachten 1938.

1939

  • Beim Einbau einer Heizung in der Viktorkirche werden Fundamente einer älteren kleineren Kirche gefunden.
  • Im Frühjahr im Bereich der Hörder Straße laufen die Erdarbeiten für die heutige Auffahrt auf die A 1 an. Der Krieg unterbricht für fast zwanzig Jahre die Ausführung der Pläne.
  • 1. September bricht der Krieg aus. Begeisterung verspürte in diesen Tagen niemand. Dafür sorgt bereits seit Ende August die Rationierung von Kleidern und Lebensmitteln.

1942

  • In der Nacht vom 10. zum 11. April stirben Mitglieder der Familie Finkhaus aus Holzen als erste Opfer des Bombenkriegs in den Trümmern.
  • Seit dem Sommer kommen Zivil- und Zwangs-Arbeiter und -Arbeiterinnen sowie Kriegsgefangene in Schwerte zum Einsatz.
  • In Holzen gibt es ein sog. "Ostarbeiter"-Lager, im Reiche des Wassers unterhält das berüchtigte Stalag Hemer ein Lager mit zumeist französischen Kriegsgefangenen.

1943

  • In der Viktorkirche wird ein Wandgemälde in der rechten südlichen Nische des Querschiffs entdeckt. Es stellt eine Kreuzigungsgruppe dar und wird in das zweite Jahrzehnt des 15Jhs. datiert.
  • In der Nacht vom 16. zum 17. Mai 1943 zerstört ein britisches Bombergeschwader den Hauptdamm der Möhnetalsperre. Eine zwölf Meter hohe Flutwelle fließt talwärts und hinterläßt bis zum Unterlauf der Ruhr bei Essen verheerende Spuren. Die Flutwelle erreicht Schwerte am 17. Mai gegen 5 Uhr. Sie hat noch eine Höhe von drei Metern. Zwischen zwei und drei Uhr wecken Feuerwehrleute die Einwohner der tiefliegenden gefährdeten Häuser. Mit Mühe und Not können sich die meisten aus Mühlen-, Brück- und Hellpothstraße retten, nur Emma Greve wird von der Flut überrascht und ertrinkt. Zwei Feuerwehrleute aus Geisecke stirben in Garenfeld, Bauer Trappmann und zwei Helfer aus Holzen, als sie Vieh aus den Ruhrweiden bei Wandhofen retten wollen.

1944

  • Am 31. Mai greift am hellichten Tag ein Kampfverband die Fabriken und die Gleisanlagen im Schwerter Norden an. Unter den 217 Toten und Vermißten sind 96 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus Rußland, Polen und der Ukraine, die im Nickelwerk arbeiteten.

1945

  • Zu den kommunistischen Widerstandskämpfern, die im April 1945 in der Bittermark von der Gestapo ermordet werden, gehört auch August Senf aus der Märkischen Straße.
  • Am 23. März wird der Bahnhof Geisecke mit zehn Munitionszügen von Bomben vernichtet. Drei Wochen vorher war das Profileisenwalzwerk schwer beschädigt worden, 41 Menschen starben dabei in den Trümmern der umliegenden Wohnviertel.
  • In der Nacht vom 12. auf den 13. April nehmen Amerikaner beinahe kampflos die Schwerter Innenstadt ein, nachdem in den Außenbezirken noch Artillerietreffer gefallen waren. Auf tragische Weise kommen bei der im ganzen friedlichen Einnahme der Stadt noch einmal vier Zivilisten ums Leben.
  • Auf dem Bürenbruch hat sich ein Heeresstab verschanzt, der erst am 16. April, nach Iserlohns Kapitulation, abzog. Am 17. April ist dann im ganzen Ruhrtal endlich Frieden.
  • Die Engländer lösen im Frühjahr 1945 die Amerikaner als Besatzungsmacht ab, beschlagnahmen im Frühjahr und Sommer 60 Häuser und stationieren 1000 Mann in Schwerte.
  • Ein Bericht aus dem Amt Westhofen am 2. August 1945 fordert den "baldigen Abtransport der Fremdvölkischen". Die polnischen Bewohner des Lagers Hagen-Boele werden für das Amt Westhofen "eine Plage, deren Beseitigung den ernsten Willen und die volle Mithilfe der Besatzungsmacht voraussetzt". Die Engländer setzten gegen sie leichte gepanzerte Kettenfahrzeuge zur Bandenbekämpfung ein und statteten die Bauernhöfe mit alten Feldtelefonen aus zur Alarmierung. Die Engländer schossen scharf und ohne Pardon, weil auch sie von Fremdarbeitern beschossen wurden.
  • Die Hohenzollernstraße wird nach dem im KZ umgebrachten Karl Gerharts benannt.

1946

  • Nach einjähriger Instandsetzungsarbeit wird die Villigster Ruhrbrücke in Juni eingeweiht. Für die Schwerter bedeutet dies ein Fest, das Hoffnung macht.
  • Vor dem zweiten Nachkriegswinter, im November 1946, sind die Aufräumarbeiten insgesamt nicht weit fortgeschritten. Bürgermeister Wengenroth fürchtet, durch das enge Zusammenwohnen käme es zu Epidemien. Er erkennt die nicht beseitigten Trümmer als einen Engpaß. Auf seinen Vorschlag ruft der Rat alle männlichen Einwohner Schwertes von 16 bis 60 Jahren dazu auf, sich acht Stunden im Monat an den Aufräumarbeiten in den bombengeschädigten Stadtvierteln zu beteiligen. 300 Freiwillige melden sich; sie räumen vor allem die östlichen Innenstadtbereiche.
  • Die Volkshochschule wird durch Studienrat Wilhelm Jäde im Winterhalbjahr 1946/47 gegründet. Jäde organisiert trotz fehlender Räume und Lehrmittel im 2. Trimester 1947 Grundkurse in Rechnen, Chemie, Deutsch und Stenographie.

1947

  • In Schwerte werden 298 Kriegerwitwen und 355 Waisen betreut.
  • Über 1.000 Menschen in Schwerte sind noch notdürftig in Behelfsheimen und Baracken am Freischütz, im Grüntal, in der Bergischen Straße oder am Klusenweg untergebracht.
  • In den undichten Häusern und Baracken kann im Winter nicht genügend geheizt werden. Um der paradoxen Lage abzuhelfen, daß vor den Toren der Zechen im Revier Kohle fehlte, schließt der Rat mit der Zeche "Gewerkschaft Alte Haase" in Sprockhövel ein Abkommen zur Direktlieferung nach Schwerte.
  • Die im Herbst veröffentlichte endgültige Demontageliste sieht für Nordrhein-Westfalen 294 Betriebe vor. Schwerte ist mehrfach betroffen.
  • Das Recht der Allierten zur Demontage der Metallwerk Wandhofen GmbH läßt sich nicht bestreiten. Dieses Tochterunternehmen der Nickelwerke war 1936 zur Produktion von Munition gegründet worden. Deshalb hatte der amerikanische Stadtkommandant schon 1945 sämtliche 239 Maschinen verschrotten lassen; 1947 gilt die Demontage als abgeschlossen.
  • Im Juni werden die Straßennamen, die im Zweiten Kaiserreich vergeben worden waren, getilgt. Aus der Bismarck- wird die Kantstraße, aus dem Königsplatz der Robert-Koch-Platz, aus der Sedan- die Eintrachtstraße, aus der Moltke- die Friedensstraße. Die Bismarckschule in der Kuhstraße erhält den Namen des pazifistischen Lehrers Friedrich Kayser.

1949

  • Im November werden die Schützenvereine wieder zugelassen und im gleichen Monat erscheint auch die "Schwerter Zeitung" wieder.