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Das Ruhrtalmuseum

Kultur- und Weiterbildungsbetrieb

- KuWeBe -

Brückstraße 14

58239 Schwerte

Tel. 02304-104822

 

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Öffnungszeiten

Di. bis So. 11 bis 17 Uhr

Mo. u. ges. Feiertage geschl.

Das Eiszeitalter im Ruhrtal

Relikte der Elsterkaltzeit vor 380 000 Jahren

Die Terassen der Ruhr und die Verteilung von Löß (verändert nach Braun 1954)
Die Terassen der Ruhr und die Verteilung von Löß (verändert nach Braun 1954)

Eingebettet zwischen den Höhen des Sauerlandes und dem Haarstrang, liegt Schwerte im hier etwa 1 km breiten Tal der mittleren Ruhr. Als Relikte der Elsterkaltzeit können wahrscheinlich die obere und untere Hauptterrasse der Ruhr betrachtet werden. Reste der oberen Hauptterrasse finden sich nordöstlich von Westhofen auf dem Speckberg, auf dem Drüfel sowie bei Garenfeld und Hennen. Die Aufschüttung der unteren Hauptterrasse ist noch weit am nördlichen und südlichen Ufer der Ruhr verbreitet, wo sie sich auf einer Höhe von 35-40 m über der Talaue erstreckt.

In der Elstereiszeit drangen die Gletscher nachweislich das erste Mal von Skandinavien bis nach Westfalen vor, doch ist die Eisrandlage nicht überall hinreichend geklärt, da die glazialen Ablagerungen vom Eis der darauffolgenden Saaleeiszeit wieder überfahren und dabei entweder abgetragen oder überlagert wurden.

Schmelzwassersee

Das Ruhrtal zur Zeit der maximalen Vereisung der Saale-Eiszeit ca. 300 000 bis 128 000 Jahren (Drenthe-Vorstoß). Zeichnung R. Loftus
Das Ruhrtal zur Zeit der maximalen Vereisung der Saale-Eiszeit ca. 300 000 bis 128 000 Jahren (Drenthe-Vorstoß). Zeichnung R. Loftus

Der Haarstrang nördlich der Ruhr bildete für die vorrückenden Gletscher ein natürliches Hindernis. War das Schmelzwasser zunächst zwischen Eisrand und Haarstrang nach Westen hin abgeflossen, ergoss es sich schließlich den Südhang hinab in das Ruhrtal. Von dem bei Essen liegenden Gletscher im Westen und dem Dortmunder Gletscher im Norden am Abfluß gehindert, staute sich das Wasser zu einem gewaltigen Schmelzwassersee, der das Ruhrtal bis mindestens 280 m NN auffüllte. Die Aufschotterung des Flußtales wurde unterbrochen. Stattdessen setzten sich feine Sande und Tone in dem stehenden Gewässer ab. Je weiter das Inlandeis von Norden heranrückte, desto gröber wurden die abgelagerten Steinbrocken, die wahrscheinlich von den abschmelzenden Eisblöcken in den Schmelzwassersee gelangten. Über 250 m mächtig staute sich das fließende Eis schließlich vor dem Gebirgszug, um bei Schwerte mit einer etwa 15 km breiten Gletscherzunge über den Bergkamm hinüber zu schwappen und in den See, der das Ruhrtal füllte, hinabzufließen. Aus der Schwerter Gletscherzunge herausgebrochene Eisberge trieben mit ihrer Geröllfracht auf dem See. Ein solcher ist wahrscheinlich beim frühzeitigen Zurückweichen der Essener Gletscherzunge und dem daraus folgenden Freiwerden des Ruhrabflusses vor Schwerte gestrandet und hinterließ die von J. Spiegel in Drüpplingsen (südliche Ruhrufer, östlich von Schwerte) entdeckten nordischen Geschiebe.

Wartheglazial vor ca. 110 000 Jahren

Nach einem kurzen wärmeren Intermezzo, in dem sich das Eis nach Norden zurückzog, erfolgte ein weiterer Gletschervorstoß (Wartheglazial). Jedoch erreichten die Eismassen nicht mehr Westfalen. An den windgeschützten Berghängen des Haarstranges und Sauerlandes, lagerte sich der Löß ab und verwitterte schließlich während der folgenden Warmzeit (Eem) zu Lößlehm. Auch die Bildung der unteren Mittelterrasse, die überall entlang der Ruhr eine auffällige Geländestufe zur heutigen Flußaue bildet, wird in die Wartheeiszeit gestellt. In der folgenden Eemwarmzeit kommt es dann zu Bodenbildungen auf den Schmelzwasserseeablagerungen, wie östlich von Schwerte durch Bohrungen nachgewiesen werden konnte.

Auch das Eis der Weichseleiszeit erreicht nicht mehr den westfälischen Raum, die Gletscher aus Skandinavien stoßen nur noch bis an die Elbe vor. In dieser Eiszeit wurde die Niederterrasse der Ruhr aufgeschüttet, die allerdings unter dem Auenlehm des heutigen Flußtales verborgen ist.

Eiszeitliche Funde im Ruhrtalmuseum

Nashornschädel, Fundort Olfen, vermutlich bei Kanalarbeiten in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts geborgen.
Nashornschädel, Fundort Olfen, vermutlich bei Kanalarbeiten in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts geborgen. (Ohne Inv.Nr.)

Fundstellen in diesem Abschnitt des Ruhrtals, die eindeutig Spuren menschlicher oder tierischer Anwesenheit während der letzten Eiszeit verraten, fehlen bisher. Dennoch verfügt das Ruhrtalmuseum über eine größere Anzahl von (ortsfremden) Funden aus dieser Zeit. Durch die rege Tätigkeit des Museumsgründers, Joseph Spiegel (1901-1984), in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts kann das Museum heute z. B. mit steinzeitlichen Artefakten aus der Balve-Höhle (südlich von Schwerte) wie auch Mammut- und Nashornreste aus Olfen, Westfalen-Lippe, aufwarten.